2. Nachdem-/ Danach-/ Aber dann-Prozessskript (Mythos: Damokles)

Die Sage von Damokles – Zusammenfassung

Damokles war ein Höfling am Hof des Tyrannen Dionysios II. von Syrakus. Er war ein Schmeichler, der das Glück, die Macht und den Reichtum seines Herrschers bewunderte und beneidet.

Eines Tages sagte er zu Dionysios:

„Wie beneidenswert bist du doch – du musst das glücklichste Leben überhaupt führen!“

Dionysios, der die Last und Gefahren seiner Macht kannte, wollte Damokles die Wahrheit zeigen. Er bot ihm an, für einen Tag die Rolle des Herrschers einzunehmen. Damokles willigte begeistert ein und ließ sich auf einem prächtigen Thron nieder, umgeben von Dienern, Wohlstand und Bewunderung.

Doch während er das Leben in Macht und Luxus genoss, bemerkte er plötzlich ein schweres Schwert, das an einem dünnen Rosshaar direkt über seinem Kopf hing.

Von diesem Augenblick an konnte Damokles weder essen noch trinken noch Freude an der Pracht finden. Stattdessen überkam ihn die lähmende Angst, das Schwert könne jederzeit herabfallen. Schließlich bat er Dionysios, ihn von diesem „glücklichen“ Leben sofort wieder zu entbinden.

So lernte Damokles: Das Leben der Mächtigen mag von außen beneidenswert wirken, ist aber von ständiger Bedrohung und Angst überschattet.

Bedeutung für das TA-Konzept der Prozessskripte

Die Sage von Damokles ist eng mit dem „Nachdem“-Skript verknüpft.

a) Das „Nachdem“-Skript

Das „Nachdem“-Skript ist eine unbewusste Lebensregel, die lautet:

„Nachdem ich etwas erreicht habe, wird eine Katastrophe passieren.“

Es basiert auf frühkindlichen Erfahrungen und elterlichen Botschaften, die mit Erfolg, Genuss oder Erfüllung verknüpft sind. Das Skript schreibt innerlich vor: „Du darfst dich erst freuen, aber gleich danach kommt etwas Schlimmes.“

b) Damokles als Symbol für das „Nachdem“-Skript

Damokles durfte sich auf den Thron setzen, Luxus und Macht genießen – doch kaum, dass er es tat, trat der bedrohliche Beigeschmack auf: das Schwert über seinem Kopf.

Damit verkörpert die Sage die Grundstruktur des „Nachdem“-Skripts:

  • Vor dem Erfolg: Begeisterung, Hoffnung, Freude.
  • Nach dem Erfolg: Bedrohung, Angst, Strafe, Unglück.

So wie Damokles das Glück der Macht nur kurz kosten durfte, bevor es von der Angst überschattet wurde, so erleben Menschen mit einem „Nachdem“-Skript ihre Erfolge: nicht als Befreiung, sondern als Beginn von Gefahr.

c) Alltagsbeispiele

  • Ein Student besteht eine Prüfung, wird aber sofort krank oder stürzt in Depression, weil „jetzt sicher etwas Schlimmes passieren muss“.
  • Jemand bekommt eine Beförderung, aber statt Freude empfindet er innere Bedrohung, Schuldgefühle oder die Angst vor dem Absturz.
  • In Beziehungen: Nach einem intensiven Liebeserlebnis folgt sofort Streit oder Rückzug – weil das „Nachdem“-Skript zuschlägt.

d) Bedeutung in der Transaktionsanalyse

Die Sage von Damokles macht anschaulich, wie Glück und Erfolg unbewusst mit Strafe und Gefahr verknüpft werden. Sie illustriert das „Nachdem“-Skript, bei dem Menschen ihre Freude nicht halten können, weil sie innerlich darauf “programmiert” sind, dass danach das Unglück wartet.

Therapeutisch oder in der Mediation/Coaching-Arbeit geht es darum,

  • diese Verknüpfung bewusst zu machen,
  • die Herkunft (meist Botschaften aus der Kindheit) zu erkennen,
  • und neue, freie Entscheidungen zu entwickeln, die erlauben: Erfolg und Glück dürfen bleiben, ohne dass danach automatisch die Katastrophe kommt.